Warum Textilpflege so wichtig ist
· STEAMRS Fashion Care
„Eine nachhaltige Textilindustrie ist möglich, erfordert aber eine grundlegende Veränderung unseres Umgangs mit Textilien.“
- STEAMRS
Wie schon oft besprochen, gehört die Textilindustrie zu den umweltschädlichsten Branchen. Doch seit der Unterzeichnung des Abkommens für nachhaltige Bekleidung und Textilien im Jahr 2016 scheinen sich immer mehr Marken mit einer zukunftsfähigen Textilindustrie zu beschäftigen. Ein großartiger Trend, den wir alle (als Verbraucherinnen und Verbraucher) fortsetzen sollten! Wie kannst du selbst zu Hause dazu beitragen? Wo fängst du an? Das erfährst du in diesem Artikel!
Ein kurzer Rückblick auf die Schäden, die die derzeitige Textilindustrie verursacht
Jedes Jahr werden hundert Milliarden neue Kleidungsstücke produziert. Mehr als die Hälfte aller Kleidungsstücke wird innerhalb eines Jahres nach der Herstellung weggeworfen und landet größtenteils in Verbrennungsanlagen oder auf Mülldeponien. Die Textilindustrie ist - nach der Ölindustrie - der umweltschädlichste Sektor. Die Herstellung von Kleidung und Schuhen ist zusammen für etwa 8 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Auf Kleidung entfallen davon 4 bis 6,8 Prozent. Zum Vergleich: Die weltweite Luftfahrt ist für etwa 3 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Nicht nur die Treibhausgasemissionen sind ein Problem. In der Branche gibt es noch weitere Missstände: Durch das Färben von Textilien kommt es zu erheblicher Wasserverschmutzung, und der enorme Wasserverbrauch beim Anbau von Nutzpflanzen wie Baumwolle führt auch zu extremer Trockenheit. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern oft schlecht, da Arbeiter ausgebeutet und Menschenrechte nicht gewahrt werden.
Verlängere die Lebensdauer deiner Kleidung!
Pflege die Kleidungsstücke und Textilien, die du bereits besitzt!
Du kannst selbst dazu beitragen, die umweltschädliche Fast-Fashion-Industrie zu bekämpfen! Fang klein an und wirf Kleidung oder Möbel nicht so schnell weg. So verlängerst du die Lebensdauer von Textilien:
1). Weniger waschen und trocknen
Die Waschmaschine ist eines der energieintensivsten Geräte im Haushalt. Laut Milieu Centraal macht der Energieverbrauch der Waschmaschine etwa 4 Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Haushalt aus. Die größten Auswirkungen auf das Klima hat die Energie, die das Gerät verbraucht. Stromverbrauch verursacht Treibhausgasemissionen, weshalb Waschen zum Klimawandel beiträgt. Häufiges Waschen ist also nicht besonders umweltfreundlich, aber auch nicht gut für die Lebensdauer deiner Kleidung. Textilfasern werden durch häufiges Waschen schnell angegriffen und beschädigt.
Wenn du bewusster wäschst, freut sich nicht nur das Klima, sondern auch deine Kleidung. Das kommt ihrer Qualität zugute, sodass deine Kleidungsstücke länger schön bleiben und du weniger neue Kleidung kaufen musst. Wir werfen 70 Prozent unserer Kleidung weg, weil die Farbe verblasst ist oder sie beim Waschen eingelaufen beziehungsweise ausgeleiert ist. Das ist oft die Folge falscher Waschgewohnheiten, die wir uns angewöhnt haben. Schade, denn das lässt sich leicht ändern!
So waschen wir oft noch bei einer unnötig hohen Temperatur, obwohl die Waschtemperatur den größten Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Der erste Schritt zu einer nachhaltigeren Wäsche ist also, die Temperatur herunterzustellen.
Auch wird oft unnötig viel Waschmittel verwendet. Zwei Dinge, die du leicht ändern kannst und die sowohl deiner Kleidung als auch der Umwelt zugutekommen!
Tipp: Verwende nachhaltige Waschmittel und wasche nur, wenn die Trommel voll ist
Verwende beim Trocknen nachhaltige Trocknerbälle aus Schafwolle. Sie verkürzen die Trockenzeit erheblich und machen die Kleidungsstücke im Trockner besonders weich und weniger zerknittert.
2). Vermeide Bügeln
Bei manchen Textilien kommt man um ein Bügeleisen wirklich nicht herum. Sei dir aber bewusst, dass die Hitze und der Druck, den du mit dem Bügeleisen auf den Stoff ausübst, die Fasern „platt drücken“ und beschädigen. Mit jedem Bügeln wird die Lebensdauer des Stoffes ein wenig verkürzt.
Tipp: Verwende doch einmal ein Dampfgerät oder einen Kleidungsdampfer. Der heiße Dampf entfernt Falten mühelos aus vielen Stoffen, ohne die Fasern anzugreifen. Brandflecken sind damit ausgeschlossen, und der heiße Dampf richtet die Fasern des Stoffes wieder auf und lockert sie. So sieht ein Kleidungsstück wieder ganz neu und frisch aus.
3). Verwende Hilfsmittel, um Stoffe zu glätten
Fusseln, Knötchen oder Tierhaare können ein Kleidungsstück ausgesprochen ungepflegt aussehen lassen. Halte ein paar Hilfsmittel bereit, mit denen du Fusseln und Haare von deiner Kleidung entfernen kannst, zum Beispiel eine Fussel- oder Kleiderbürste oder einen elektrischen Fusselrasierer. Mit solchen Hilfsmitteln kannst du einem alten oder abgetragenen Kleidungsstück ganz einfach neues Leben einhauchen.
4). Möchtest du Kleidung trotzdem aussortieren?
Wirf deine Kleidungsstücke auf keinen Fall weg! Spende sie stattdessen für einen guten Zweck oder gib sie in einem Vintage-Geschäft ab. Kaufe Kleidung von so guter Qualität, dass sie ein „zweites“ Leben haben kann und du auch jemand anderem damit eine große Freude machen kannst.
„Unsere Tischdecken, Handtücher und vor allem Hosen und T-Shirts haben nach Lebensmitteln, Verkehr und Wohnraum die größten Auswirkungen auf Umwelt und Klima.“
Wenn Kleidung länger hält, werden weniger neue Kleidungsstücke hergestellt, gekauft und weggeworfen, argumentiert die Europäische Kommission. Zahlen zeigen nämlich: Wenn wir ein Kleidungsstück aus unserem Schrank doppelt so lange tragen, bevor wir es wegwerfen, sparen wir 44 Prozent der Treibhausgasemissionen ein, verglichen damit, etwas Neues zu kaufen und anzuziehen.
Eine Verlängerung der Lebensdauer von Kleidung um neun Monate kann den CO₂-, Wasser- und Abfallfußabdruck um 20 bis 30 Prozent reduzieren.
In unserer idealen Traumwelt wäre jedes Kleidungsstück mit Angaben zu seiner erwarteten Lebensdauer versehen, und Kleidung müsste Qualitätsanforderungen erfüllen. Derzeit ist in den EU-Vorschriften festgelegt, dass ein T-Shirt eine erwartete Lebensdauer von 52 Waschgängen hat. Wenn man davon ausgeht, dass ein T-Shirt einmal pro Woche gewaschen wird, würde es voraussichtlich also ein Jahr halten. Ecostandard: Wie Ökodesign unsere Textilien kreislauffähig machen kann
Achte auf die Qualität der Kleidung, die du kaufst. So sollte ein hochwertiger Stoff oder ein hochwertiges Kleidungsstück beschaffen sein:
- Es sollte aus einem festeren Stoff bestehen (damit es sich nicht zu schnell verformt oder reißt);
- die Farbechtheit sollte optimal sein, damit die Farbe nicht zu schnell verblasst;
- der Reißverschluss sollte hochwertig sein;
- die Nähte sollten sauber verarbeitet sein;
- Etiketten und Schriftzüge sollten gut festgenäht sein;
- es sollte sich leichter wiederverwenden, reparieren, aufwerten und recyceln lassen.
Die Europäische Kommission hofft, dass dies dem Fokus der Bekleidungsindustrie auf niedrige Kosten, schnell wechselnde Modetrends und einen ständigen Strom neuer Kleidung entgegenwirkt. Das würde das Todesurteil für beliebte Fast-Fashion-Ketten wie PRIMARK und SHEIN bedeuten, die jeden Tag mehr als sechshundert neue Artikel zu extrem niedrigen Preisen auf ihrer Website anbieten.